Andacht zur Jahreslosung 2022

Joh. 6, 37 Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.


Das Gefühl vor einer Tür zu stehen und nicht zu wissen, wer einen empfängt und was einen dahinter erwartet, kennen wir alle.

Jede Tür kann andere Gefühle in uns auslösen. Auf beiden Seiten. Bei dem, der sie für andere öffnen darf, oder muss, um hereinzulassen und bei dem, der hereingelassen wird.

Diese Türmomente können erfreuen, oder auch beängstigen.

  1. Der lang erwartete Besuch klingelt. Man freut sich! Wenn der gleiche Besuch unerwartete Besuch muss hereingelassen werden, weil man die Tür nach dem Klingeln schon geöffnet hat.
  2. Alleine und ein wenig einsam liegt man auf der Couch und liest ein melancholisches Buch, als der beste Freund, oder die beste Freundin vorbeikommt und einen guten Wein und gute Laune mitbringt. Nach einem stressigen Tag liegt man gerade mit einem guten Buch auf der Couch, als plötzlich der Freund, oder die Freundin klingelt, weil sie über ihr schlechtes Erlebnis berichten und darüber ausgiebig reden möchte.
  3. Der Postbote bringt das ersehnte Paket. Der Postbote bringt das Einschreiben mit dem Bußgeldbescheid für das zu schnelle Fahren auf der Autobahn.

Für beide Seiten kann es schön und auch unangenehm sein.

Die Jahreslosung sagt uns, dass wir bei Jesus immer willkommen sind und dass ihm kein Problem zu groß, keine Sorge zu klein und kein Gebet zu unbedeutend ist. Er hält seine Tür offen, wir können immer zu ihm kommen.

Am Anfang des Verses steht „ Alle, die mein Vater mir gibt, werden zu mir kommen, und niemand, der zu mir kommt, wird von mir abgewiesen."

Die Situation zu diesem Vers war nicht „Friede, Freude, Eierkuchen.“ Jesus hatte gerade das Wunder der Speisung von 5000 Menschen vollbracht, alle wollten ihn sofort zum König machen.

Er wollte ein wenig Abstand zur Situation.

Die Leute suchten und fanden ihn und begannen zu fragen.„Was müssen wir tun, damit wir Gottes Willen tun?“

Er antwortete: „Er verlangt nur eins von Euch: Ihr sollt den anerkennen, den er gesandt hat.“

„Gib uns einen Beweis für Deine Bevollmächtigung! Lass uns ein eindeutiges Wunderzeichen sehen, damit wir Dir glauben.“

Er war ein wenig ungehalten, weil sie, obwohl sie seine Taten selbst gesehen hatten, ihm noch nicht so richtig glaubten.

Dann sagte er den Vers, den wir nun als Jahreslosung erhalten haben:

„ Alle, die mein Vater mir gibt, werden zu mir kommen, und niemand, der zu mir kommt, wird von mir abgewiesen.

Dieser Zusammenhang hat zwei wichtige Lehren für uns.

  1. Dass Gott Menschen zu Christus gegeben hat und das alle, die er ihm gegeben hat, gerettet werden.
  2. Dass Gott jedem einzelnen Menschen eine Eigenverantwortung gibt. Um aus Gnade gerettet zu werden, muss ein Mensch zu Jesus kommen und ihn ihm Glauben annehmen.

Gott schickt (erwählt) Menschen zur Errettung, doch lehrt die Bibel nirgends, dass er Menschen zur Verdammung erwählt.

Wenn wir gerettet werden, dann aus der Gnade Gottes heraus. Wenn jemand unter diesen Voraussetzungen verloren geht, dann durch das bewusste Ablehnen, eines ihm bekannten Jesus und hierdurch auch eine Ablehnung von Gott.

Die meisten Christen wissen, dass wir genügend Gründe geboten hätten, von Gott abgelehnt, oder verdammt zu werden. Manche können leider die Gnade, die dem entgegensteht, nicht sehen, oder annehmen.

Gott macht jedoch ein universelles Angebot, ich würde sagen, ein Schnäppchen, dass man einfach nicht ablehnen kann:


Wer an den Sohn Gottes, Jesus, glaubt, ist errettet.

Aber wie sieht es bei uns aus, den Nachfolgern, den Erretteten?

Für wen halten wir unsere Türe offen? Wer traut uns eine offene Tür zu? Wer traut uns vielleicht sogar zu, aus einem Schlusspunkt ein Komma, oder einen Doppelpunkt zu machen?

Ich finde, wir machen unsere Türen schon einen guten Spalt breit auf. Mit Suppe am Dom und der Gemeinde.

Alleine, dass wir hier nicht aufgegeben haben, sollte uns Hoffnung machen, dass wir mit offenen Türen auch bald die Geschwister sein werden, die auf der Seite der Tür stehen, wo der Gastgeber wohnt.

Die, die in seinem Namen die Einladungen überbracht haben.

Diese Jahreslosung ist, so finde ich, wohltuend und zugleich wichtig!

Der Bibelvers steht im Zusammenhangmit den „Ich“ Worten aus dem gleichen Evangelium. Die Aussagen Jesu, mit denen er voller Selbstbewusstsein seinen Auftrag auf der Erde bekräftigte:

„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht mehr hungern. Und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“ (Johannes 6, 35)

„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, irrt nicht mehr in der Finsternis umher. Vielmehr wird er das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12)

„Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet. Er wird hinein- und hinausgehen und eine gute Weide finden. Ich bin gekommen, um ihnen das wahre Leben zu bringen –das Leben in seiner ganzen Fülle.“ (Johannes 10,9 u. 10b)

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Es gibt keinen anderen Weg zum Vater als mich. (Johannes 14,6)

„Ich bin die Auferstehung und das Leben! Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht von Gott getrennt. Glaubst du das?“ (Johannes 11, 25 u. 26)

Mit all diesen Versen bekundet Jesus die Bevollmächtigung durch seinen Vater, uns zu erretten.

Mögen wir dann auch weiterhin errettet aussehen und handeln.

Amen 

Autor: Wolfgang Arndt

 

Gebet

Gott, für viele von uns ist ein anstrengendes Jahr zu Ende gegangen: Die Corona- Pandemie, das Leid derer, die alleine waren während der Krankheit oder auch im Sterben.

Die vielen jungen Menschen, denen Monate ihrer Jugend verloren gegangen sind und all die Menschen, deren Existenz durch Kurzarbeit und Lockdown bedroht war und ist.

Die Flutkatastrophen in Folge der Klimaerwärmung haben viele Menschenleben gekostet und milliardenschwere Schäden angerichtet. Wie viele Menschen haben alles verloren.

Und nun stehen wir am Anfang vom neuen Jahr – dem dritten Jahr der Pandemie – und hören Deine Einladung. „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“. Zeige, Du Gott, uns neue Wege! Hilf uns, uns auf das Wesentliche zu besinnen. Schenke uns ein gutes Jahr, in dem wir die Pandemie bewältigen und all diejenigen nicht alleine lassen, die Unterstützung und Begleitung benötigen. Schenke uns die Gabe, einander nahe zu sein, zu teilen. Bewahre uns vor Selbstüberschätzung und schenke uns Vertrauen: Gott- und Selbstvertrauen, das uns ermöglicht mutig, entschlossen, aber behutsam und achtsam unsere Fähigkeiten einzubringen.

Du hast in Jesus Christus den Bann des Bösen gebrochen, hast neue Wege gezeigt und wirst uns nicht abweisen, Dir, Gott vertrauen wir uns und diese Welt an.

Amen