Autor: Daniel K.

  

Gebet1 pixabay fL

 

Gebete können selbst gestandene Christen manchmal zum Rotieren bringen.

Zugegebenermaßen wirken sie manchmal etwas willkürlich: Mal funktionieren sie, mal nicht!

 

Dabei eröffnet einem die Bibel zu diesem Thema überaus verheißungsvolle und wunderbare Verse, wie:

 

 „…Jesus antwortete: "Ich versichere euch: Wenn ihr Vertrauen zu Gott habt und nicht zweifelt, könnt ihr nicht nur das tun, was ich mit dem Feigenbaum getan habe; ihr könnt dann sogar zu diesem Berg hier sagen: 'Heb dich hoch und stürz dich ins Meer!', und es wird geschehen. Alles, was ihr im vertrauensvollen Gebet verlangt, werdet ihr bekommen."

Matthäus 21,21-22; NeÜ

 

„ … Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben. Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr empfangen, auf dass eure Freude vollkommen sei". 

Johannes 16,23-24; Luther

 

"Und alles, was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht wird in dem Sohn. Wenn ihr etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun".

 Johannes 14,13-14; Schlachter

 

Diese Verse ermutigen enorm zu einem erfolgreichen Gebet, scheinen teilweise aber auch eine Art Erfolgsgarantie zu versprechen. Angesichts nicht funktionierender Gebete in der Realität fragt man sich zu Recht, weshalb in der Bibel solche euphorischen Verse mit scheinbarer Erfolgsgarantie überhaupt stehen. Verständlicherweise entsteht bei nicht funktionierenden Gebeten schnell Frustration und es kommen einem Fragen auf, wie:

 

  • Liegt es gar an mir selbst? 

  • Sind die Aussagen der Bibel falsch? 

  • Habe ich zu wenig Glauben? 

  • Muss ich mich einfach mehr anstrengen, damit es endlich funktioniert?

 

Ernüchternderweise kommt noch hinzu, dass die Bibel zur Beantwortung der Frage nach der Ursache von wirkungslosen Gebeten keine glasklaren Antworten liefert. Manche Verse weisen darauf hin, dass es an einem selbst, z.B. einem fehlenden Glauben liegen könnte (s.o.), manche Verse weisen darauf hin, dass es aber auch an Umständen liegen könnte, die man selbst gar nicht beeinflussen kann (z.B. in der Geschichte von Hiob).

 

Doch woran liegt es letztendlich im eigenen, konkreten Fall? Diese Frage ist natürlich entscheidend.

Da man diese Frage wohl kaum zufriedenstellend selbst beantworten kann, bleibt der Frust.

Das ist aber vollkommen okay und überaus menschlich. Zahlreiche biblische Charaktere sind frustriert, weil Gott ihnen nicht oder nicht zeitnah antwortet. 

 

Verstärkt wird die Frustration, wenn es sich beim Gebetsanliegen eigentlich um besonders sinnvolle oder existenzielle Gebete handelt, wie z.B. ein erfüllender Job, Partner, Geradebiegen einer unglücklichen Ehe, gute Freunde...

Dass das Gebet über einen Ferrari in der Garage nicht erhört wird, kann man irgendwie noch nachvollziehen. Aber Gebete über finanzielle Hilfen, wenn man kurz vor der Insvolvenz steht und nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll, eher nicht. 

 

Gerade hier fällt es einem sehr schwer, nachzuvollziehen, dass Gott einem das sinnvolle Anliegen gerade nicht erfüllen möchte, oder die Gebete von ihm gar nur deshalb nicht erfüllt werden wollen, weil es etwa am eigenen Glauben mangelt. 

 

Dabei führt einen die Beschäftigung mit diesen „woran-liegts-Fragen“ nur in die Irre. Mal abgesehen davon, dass die Frustration eher zu als abnimmt. Dies können wir auch der Geschichte Hiobs entnehmen. Hiob verlor alles: Familie, Haus und die eigene Gesundheit. In der Folge kamen 3 Freunde auf Hiob zu und hatten alle ihre eigenen Erklärungen für die Ereignisse und ausbleibenden göttlichen Hilfen: Es muss an Hiob selbst liegen, sonst würde Gott so nicht handeln. Dabei hatten sie alle nicht recht. Es lag letztendlich nicht an Hiob. 

 

Ein anderes interessantes gescheitertes Gebet ist das von Jesus Christus selbst: 

Als er kurz vor seiner Kreuzigungsprozedur Gott darum bat, den „Kelch“ der Kreuzigung an ihm vorübergehen zu lassen, wurde sein Gebet von Gott nicht erhört. 

Jesus scheiterte hier garantiert nicht an seinem Glauben, denn wenn einer voller Glaube war, dann Jesus Christus selbst.

 

In diesem Fall wollte es Gott einfach nicht, um das Werk der Sündenvergebung zu vollbringen und damit schlussendlich die Menschheit zu retten. 

 

Gott stellte das persönliche (und äußerst verständliche) Interesse von Jesus über das Interesse der Menschheit, gerettet zu werden. Wir alle sind dankbar für diese Entscheidung Gottes.  

Aber diese beiden Situationen von Hiob und Jesus stellen selbstverständlich Extremfälle dar.

Gottes Interesse besteht nicht permanent darin, unsere eigenen Wünsche zu übergehen. Das würde auch seinem uns positiv zugewandten Wesen und seinen guten Absichten, die der mit uns Menschen hat, total widersprechen. Aus dieser Überlegung heraus, ist diese Begründung für die Nichterfüllung des Gebetes vermutlich die Unwahrscheinlichste.

Doch bedeutet dies nun im Umkehrschluss, dass es nun zwangsläufig an einem selbst liegen muss? Unzureichender Glaube? Zu viele Zweifel? Theologisch ist dies möglich, nur erfahren wird man es wohl eher nicht. 

 

Passive Gebetshaltung als Ursache

 

Trotz alledem gibt es aber weitaus mehr, als diesen Dualismus „Gott-will-es-nicht“ vs. „es-liegt-an-mir-selbst“ bei der Ursachenklärung nicht erfüllter Gebete. 

Vielleicht ist die häufigste Ursache die falsche Gebetshaltung. Damit ist nicht gemeint, wie wir unsere Hände beim Gebet falten, sondern, welche Erwartungshaltung wir ans Gebet und letztendlich Gott haben. 

Bei vielen Christen habe ich im Laufe meines Lebens eine recht passive Gebetshaltung beobachtet. Viele Christen erwarten von Gott eine Erfüllung ihres Gebets, ohne dafür selbst eine Initiative zu ergreifen. Wenn es beispielsweise um die Beseitigung einer Beziehungskrise geht, wird um Heilung gebeten, ohne dabei einen Paartherapeuten aufzusuchen, oder das Problem konkret mit dem Partner anzugehen. 

Stattdessen wird von Gott erwartet, dass sich die Krise ganz von allein, vollkommen automatisch in Luft auflöst. Diese Erwartungshaltung, dass einem alles automatisch zufliegt, ist zwar möglich, aber dennoch gefährlich, da sie einen dazu verleitet, in die Passivität zu rutschen. König David musste seine Schlachten immer noch kämpfen, obwohl Gott ihm versprach, seine Feinde in seinen Schoß zu legen. Es war also nicht so, dass er Zuhause saß und die Armeen vor den Stadttoren von alleine umfielen. Selbst als etwas von allein passierte, z.B. als die Stadtmauer von Jericho einstürzte, mussten die Isrealiten zuvor etwas tun. Nämlich um sie einige Male herumlaufen. 

 

Die Komponente Eigeninitiative zu ergreifen, ist im Zusammenhang mit der Gebetserfüllung überaus häufig in der Bibel zu finden. 

 

Genau genommen ist die Passive Erwartungshaltung ein Problem des modernen Menschen. Denn zu seinem Leben gehört immer mehr die Bequemlichkeit und Fülle an Auswahlmöglichkeiten. Dementsprechend fällt es dem ein oder anderen von uns schwer, Eigeninitiativen zu ergreifen und Entscheidungen zu fällen. Manchmal ist es auch die Angst vor der falschen Entscheidung. Letzteres fußt jedoch auf der falschen Annahme, dass Gott einen bei dieser Fehlentscheidung nicht navigiert und seinem Schicksal selbst überlässt. Dies Annahme ist jedoch vollkommen unbiblisch. Gerade die Geschichte von Jona ist hierfür ein besonders gutes Beispiel:

Jona war stinksauer auf Gott und ging genau in die entgegengesetzte Richtung, als die, die Gott für ihn vorgesehen hatte. Gott begegnete Jona dabei besonders liebevoll, kümmerte sich um ihn und überzeugte Jona in seiner Vernunft anhand eines besonders geschickten Beispiels. Überraschenderweise tritt Gott mit Jona in den direkten Dialog und begründete ihm sogar seine Denkweise. Hintergründe für Gottes Entscheidungen sind in der Bibel überaus selten zu finden.   

Wir kommen also nicht umhin, Eigenitiative zu ergreifen und eigene Entscheidungen zu treffen, auch wenn es die falsche Richtung sein könnte. 

 

Ein Schiff kann nur gelenkt werden, wenn es fährt!

 

 Segelschiff pixabay fL 640

 

Dieser Satz ist so unglaublich gut, da er alles Notwendige impliziert: 

Loszufahren, Entscheidungen zu treffen und eine Richtungen einzuschlagen und darauf zu hoffen, dass Gott da ist, wenn ein Sturm aufbricht oder man in die falsche Richtung gefahren ist. 

 

 

Wie sieht eine aktive Gebetshaltung aus?

 

Eine aktive Gebetshaltung besteht im Grunde darin, Initiativen zu ergreifen: 

 

  • Wer einen Partner sucht, diesen nicht findet, muss sich nicht Zuhause verkrümeln oder auf christliche Veranstaltungen beschränken und darauf warten, bis der/die Richtige an der Tür klopft, sondern kann hier selbst aktiv werden. Singlebörsen, Ausgehen… einfach präsent sein. 

  • Wer bessere Finanzen braucht, kann sich die Zeit nehmen, seine Einnahmen und Ausgaben zu analysieren und dann Ausgaben streichen, bis das Defizit ausgeglichen ist.

  • Wer einen neuen Job braucht, kann sich nach neuen Stellen umschauen und Bewerbungen schreiben. 

 

Wir schlagen mit dieser aktiven Gebetshaltungen Richtungen ein, die von Gott gelenkt und vor allem begleitet werden. Einem Gott, der immer da ist, wenn man ihn braucht. Diese Eigeninitiativen ersetzen natürlich nicht die Gebete. Es ist mehr so zu sehen, dass die Eigeninitiativen unsere Entscheidungen darstellen, mit dem Schiff aus dem Hafen zu fahren. Die Gebete führen zum erforderlichen Wind, mit diesem wir erst fahren und Richtungen einschlagen können.

 

Natürlich gibt es aber auch die Situationen, in denen Gebete ohne Eigeninitiative funktionieren und einem das Gebet allein zur Erfüllung verhilft. Diese Situationen stellen jedoch sicherlich die Ausnahme dar.  

Auch ich habe dies erlebt, als ich mit dem Rauchen aufhören wollte. Von Nikotinkaugummis bishin zu allen weiteren Tricks scheiterte ich immer wieder nach spätestens 2 Wochen und griff wieder zur Schachtel. Irgendwann gab ich auf, sagte Gott, dass ich ohnehin nicht aufhören wolle und dies sowieso nur für ihn tun würde und es fortan sein Problem sei. Du willst es, also kümmer dich auch darum. Direkt darauf war meine Sucht für mehr als 10 Jahre beendet. 

 

Letztendlich bleibt der genaue Grund für die erfolglose Gebetserfüllung wohl Gottes Geheimnis. Wenn wir unseren Fokus von der Ursachenerklärung hin zur Eigeninitiative und weiterführenden Gebeten verlagern, ersparen wir uns viel Frustration und   werden zum Kapitän unseres eigenen Lebens. Die Aufgabe des Kapitäns besteht nicht darin, den Wind zu erzeugen, sondern das Schiff zu fahren und Richtungen einzuschlagen. Der Wind wird von Gott gesteuert. Dies ist Gottes Bestimmung für unser abenteuerreiches Leben.

Wer hingegen mit seinem Schiff in der Erwartung im Hafen stehen bleibt, dass Gott selbst für ihn das Schiff fahren wird oder gar ängstlich stehen bleibt, die falsche Richtung einschlagen zu können, wird in seinem Leben auch nichts anderes sehen, als diesen Hafen und verpasst damit das Abenteuer Leben.